Angst essen Backstein auf! Zeit für Kreativität?

Von der Veränderung des Blickwinkels der Immobilienwirtschaft.

Dr. Thomas Beyerle, langjähriger Dozent der ADI bringt es in diesem Artikel mal wieder auf den Punkt: Wo dieser jedoch ist, ist wie immer eine Frage des Blickwinkels.  

Wer bisher meinte die Immobilienwirtschaft in allen ihren interessanten Facetten zu überschauen, muss dieser Tage ernüchternd zur Kenntnis nehmen, dass es neue Mitstreiter gibt. Die sogenannte Öffentlichkeit. Genauer gesagt in der Kombination „Öffentliche Belange“ und „Großprojekte“. Das was Anfang der 90er Jahre am Beispiel Berlin Potsdamer Platz („Größte Baustelle Europas“) noch zu vermitteln war, geriet Ende der 90er Jahre am Beispiel Hafencity („Größte Baustelle Europas“) schon zu einer ernsten, aber dann weitgehend gelösten Herausforderung für die Freie und Hansestadt und die Immobilieninvestoren. Doch mit dem Projekt Stuttgart 21 („Größte Baustelle Europas“) scheint erstmalig eine Schwelle der Agitation erreicht zu sein, an welcher sich der „gesunde Immobilienverstand“ die Frage stellen muss um was es hier eigentlich geht? Um ein Immobilienprojekt „Abriss des alten Bahnhofs“? Um eine „neue Stadtentwicklung“? Oder um die zukünftige „Unmöglichkeit von Infrastrukturleistungen“ (Kanzlerin Merkel). Wahrscheinlich von allem etwas. Denn nachhaltige Immobilienwirtschaft war immer die maßgebliche Eigenschaft und Triebkraft um Objekte zu errichten, zu betreiben und damit selbstverständlich eine Gewinnerzielungsabsicht zu verfolgen. Doch wie soll die Branche mit dieser neuen Mitsprache umgehen? Negieren, tolerieren oder einbinden und akzeptieren? Sofern es sich nicht um ein singuläres Phänomen handelt welches mit dem Einbruch des Winters und Temperaturen unter Null Grad Celsius nur ein kläglichen Rest an Mitsprechern übrig lässt. Die Antwort ist klar: auf jeden Fall einbinden. Und sich die Frage stellen was die Branche zukünftig anders bzw. besser machen kann. Stichwort Mediation. Jeder Shoppingcenter Entwickler kann ein Lied davon singen was es an Mediationsanstrengungen bedarf bis der innerstädtische Konsumtempel endlich seine Pforten öffnet – oder auch nicht. Dass Flughafenausbauten wie aktuell in Frankfurt/Rhein-Main oder Planungen in Stuttgart selten zu Jubelstürmen ausarten von Menschen welche in der Einflugschneise leben, liegt auf der Hand. Dass fast immer Gutachten durch Gegengutachten ausgehebelt werden und sich beide am Ende in Frage stellen scheint aktuell in Deutschland – leider - „state of the art“ zu sein. Wenn sich Hausbesitzer massenhaft bei Google und seinem Service „Streetview“ Beschwerde einlegen, mag das dem deutschen Rechtsempfinden derselbigen Navigationsgerätebenutzer entsprechen. Am Ende darf dann ein Verwaltungsgericht darüber entscheiden. Was also tun? Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen fruchtet offensichtlich immer weniger. Warum? Es ist eine latente Angst vor Veränderungen zu spüren im Süden, Norden, Osten und Westen der Republik. Unbehagen und Angst entsteht aber in dem Unvermögen sich Dinge vorzustellen – gerade wie Immobilienprojekte sich nach Fertigstellung darstellen - wie sich etwas entwickeln könnte. Oftmals geleitet durch negative Zerrbilder. Mehr auch nicht. Und dass genau ist es wohl was den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt. Die Branche sollte schnellstens diese Entwicklung zur Kenntnis nehmen und zeitgemäß agieren. Deshalb auch selbstkritisch angemerkt: wir beherrschen die excelbasierten cash flow Analysen mit einem forecast von 15 Jahren und sorgen für eine Flut von Solarzellen auf den bundesdeutschen Dächern. Doch sind wir 2010 wirklich in der Lage Städte umzubauen und den zukünftigen Generationen eine funktionierende Infrastruktur bei knappen Kassen zu hinterlassen auf das es diese dann anders und hoffentlich besser machen als unsere Vorgänger in den 70er Jahren mit ihrem funktionalen Retrocharme über den wir uns heute beklagen? Falsche Antwort: „das machen bei uns doch die Architekten und Städteplaner“. Richtige Antwort: „Hoffentlich“. Denn die einzelne darin geplante und errichtete Immobilie in deren Fokus die aktuell immobilienwirtschaftliche Wissensvermittlung steht, erlebt mehr denn je ihre Sinn- und Wertstiftung wo und in welchem Umfeld sich diese befindet. Erst dann wird der Zahlungsstrom nachhaltig. Nach 20 Jahren immobilienwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung Deutschland befinden wir uns offensichtlich an einer Stelle in der die bisherige lineare, professionell durchgeführte Wissensvermittlung einen neuen Wissensschub erfahren muss. Auf den zukünftigen Lehrplänen sollte deshalb mehr denn je auch „Stadtumbau“ – „Infrastrukturplanung“ - „Mediation“ und „Kreativität“ stehen. Für ökonomische Kreativität gibt es aber noch kein passendes Microsoft Programm. Hier ist Gott sei Dank dann wieder der Immobilienmensch gefragt. Nur so lässt sich die Angst der Mitbürger vor dem Backstein in Zukunft bekämpfen.

Dr. Thomas Beyerle

Starttermine

Kontaktstudiengang Immobilienökonomie
Leipzig 10.09.2012
München 12.11.2012
Berlin 26.11.2012
Hamburg 11.02.2013
Frankfurt 25.02.2013

Veranstaltungen

2. Münchner Immobilien-Speed-Dating09.05.2012
STUTTGARTER IMMOBILIENTALK10.05.2012
3. RICS Hochschultag12.05.2012
8. Immobiliennetzwerkdialog Hamburg15.05.2012
1. Frankfurter Immobilien-Speed-Dating29.05.2012
1. Stuttgarter Immobilien-Speed-Dating20.06.2012

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