Standpunkte von Prof. Dr. Hanspeter Gondring FRICS

Stadtentwicklung – Pendeln war gestern

Anfang des 19. Jahrhunderts setzte die Erfindung der Dampfmaschine und der Eisenbahn die erste industrielle Revolution in Gang. Heute sind es Internet und Digitalisierung, die unser Leben maßgeblich prägen und verändern werden.

Wie sich Städte in den vergangenen 8000 Jahren entwickelt haben, war immer bestimmt durch den technischen Fortschritt einerseits und den gesellschaftlichen Wandel andererseits, was auch für die Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert gelten wird. Lesen Sie weiter....

Renaissance des fordistischen Wohnens im Bauhausstil

Renaissance des fordistischen Wohnens im Bauhausstil - Ist das die Lösung für bezahlbares Wohnen?

Von Prof. Dr. Hanspeter Gondring FRICS

Die Gesellschaft braucht wieder bezahlbaren Wohnraum, vor allem in den Ballungsgebieten, ist das Credo der heutigen Zeit. Der hochpreisige Wohnraum in den Innenstädten hat schon längt einen Verdrängungswettbewerb in Gang gesetzt, in dem die „unsichtbare Hand des Marktes“ die Nachfrage und das Angebot nach Wohnraum fast schon extremistisch steuert. Die Haushalte werden entsprechend ihrem Netto-Einkommen räumlich verteilt. Die Formel dabei lautet vereinfacht: je geringer das Netto-Einkommen eines Haushalts, umso weiter ist der Wohnort vom Stadtzentrum entfernt.

Diese Entwicklung konterkariert die Bemühungen der Städte, Wohnen und Arbeiten räumlich zu vereinen, um den die Innenstädte erdrückenden Autoverkehr mit den bekannten negativen Folgen zurückzuführen. Die Pendlerbewegungen steigen wieder an und der Autoverkehr wird wieder zunehmen. Vergleichbar der Situation – auch wenn die Ursachen heute andere sind - mit der Wohnungsnot der Weimarer Republik, erlebt die fordistische Bauweise im architektonischen Bauhausstil eine wahre Renaissance. Der Modulbau der Gebäude in Systembauweise mit vorgefertigten Raumzellen ist längst eine Alternative zum Massivbau geworden. Ziel ist es, durch verkürzte Bauzeiten und durch Senken der Baukosten den Wohnungsbau deutlich zu steigern, die Wirtschaftlichkeit, die Investitionssicherheit und die Nachhaltigkeit zu verbessern.

Die Leitidee des Bauhausstils ist „form follows function“ oder was nicht nötig ist, wird weggelassen. Für Le Corbusier war das Haus eine Maschine zum Wohnen, was die radikalste Interpretation des Bauhausstils ist. Der Begriff Bauhaus ist angelehnt an die Bauhütten des mittelalterlichen Kathedralenbaus, in denen Kunst und Handwerk vereint waren. Bauhaus-Architektur steht für schnörkellose, geometrisch klar strukturierte und auf wenige Baustoffe wie Beton, Stahl und Glas reduzierte Bauweise, wobei die Farbe Weiß der Wände bevorzugt wird. Wohnsiedlungen im Bauhausstil finden sich in allen deutschen Städten, wie beispielsweise der Weißenhof in Stuttgart oder in Karlsruhe der Dammerstock.

Der Bauhausstil entwickelte sich vor 100 Jahren genau in der Zeit, als Taylor theoretisch und Ford praktisch die industrielle Fließbandfertigung für die Massenproduktion entwickelten. Beide Protagonisten der Massenfertigung erkannten, dass durch eine standardisierte Serienfertigung die Produktivität erhöht und damit die Produktionskosten deutlich gesenkt werden können. Jeder US-Bürger sollte sich einen Ford leisten können und so gelang es auch Henry Ford letztlich, das T-Modell des Ford auf 500 US-$ zu senken, was es jedem US-Amerikaner erlaubte, sich ein Auto zu leisten – damit war im 20. Jahrhundert der Startschuss für den Massenverkehr gegeben. Das Pendant zum Ford war in Deutschland der Volkswagen. Die von Henry Ford eingeführte Massenproduktion hat sich dann begrifflich als Fordismus oder fordistische Produktionsweise etabliert.

Beide Konzepte vereint bilden die Blaupause für den Siedlungsbau im 20. Jahrhundert, welcher jetzt wieder eine Renaissance erlebt. Die rationale Architektur des Bauhausstils einerseits und die Standardisierung des Bauens andererseits sind die „geistige“ Vorlage für den heutigen Systembau. Einem breiten Publikum ist heute der Systembau durch das schnelle Errichten von Flüchtlingsunterkünften bekannt geworden. Längst werden kommunale, aber auch privatwirtschaftliche Wohnprojekte im Systembau kosten- und zeitsparend erstellt. Kern dieser Bauweise ist, dass ein großer Teil der Bauteile in industrieller Serienfertigung (à la Ford) vorgefertigt an die Baustelle geliefert werden. Die Technik ist dabei heute so weit, dass die Gebäude nicht wie früher monoton, langweilig und öde wirken. So können die Module in unterschiedlicher Weise zusammengesetzt werden, woraus die unterschiedlichsten Formen und Stilrichtungen verwirklicht werden können. Auch ist die Qualität der Baukörper vergleichbar mit der des Massivbaus. Immer mehr Kommunen bauen öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, aber auch immer mehr Wohnungen in der Systembauweise. Inwieweit sich hiermit die Lage am Wohnungsmarkt für bezahlbare Wohnungen der Haushalte mit kleinem oder mittlerem Einkommen lösen lassen, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Aber der Anfang der Problemlösung ist gemacht.

15.06.2017

Was würde Hegel zu Trump sagen

Für den schwäbischen Philosophen Hegel gibt es keine gesellschaftliche Konstante, sondern das gesellschaftliche Konzept ändert sich von Generation zu Generation in einem Wechselspiel zwischen These und Antithese, die sich beide in der höheren Synthese aufheben. Übertragen auf Trump ist er eine Art Antithese, die einen Paradigmenwechsel ankündigt. Dies ist weder aufregend noch etwas Neues: Anfang der 1980er Jahre mit Ronald Reagan (Reagonomics) und Magret Thatcher (Thatcherismus) hatten wir einen vergleichbaren Paradigmenwechsel erlebt. Die Welt der späten 1960er/1970er Jahre war im kalten Krieg durch die Gegensätze zwischen einer sozialistischen-staatswirtschaftlichen (These) und einer bürgerlichen-kapitalistischen Gesellschaftsform (Antithese) geprägt, welche sich in den 1980er Jahre letztlich in einem liberalen Konservatismus (Synthese) aufgelöst und den Zusammenbruch des Sowjetsystems eingeleitet hat.

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(Artikel im Immobilienbrief Nr. 394)

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